Der Kinderautositz – die Sicherungshilfe ohne Kompromisse

Kinderautositze sind unverzichtbar, sobald der eigene Nachwuchs das Licht der Welt erblickt hat. Ein Kindersitz ist neben einem Baby- oder Kinderbett, einem Kinderwagen und einer Wickelkommode eine der ersten, großen Anschaffungen für das Kind – und das nicht selten bereits vor der Geburt.

Denn: Für viele Säuglinge ist die erste Autofahrt die vom Krankenhaus nach Hause. Bei Kauf und Montage von Kinderautositzen gibt es viel zu beachten.

Allgemeine Informationen

Beim Kauf von Stubenwagen oder Wickelkommode ist für gewöhnlich der Geschmack von Vater und Mutter entscheidend. Keine Geschmacksfrage ist hingegen die Wahl eines guten und sicheren Kinderautositzes. Ein Kinderautositz muss höchsten Anforderungen hinsichtlich Komfort und Sicherheit gerecht werden. Hierbei ist vor allem die Frage nach der Gewichtsklasse entscheidend.

Die Kategorien von Kinderautositzen umfassen:

  • Babyschalen und Reboarder (rückwärtsgerichtete Kindersitze) bis 13 Kilogramm
  • Kinderautositze bis 18 Kilogramm

  • Kinderautositze zwischen 9 und 18 Kilogramm
  • Kinderautositze zwischen 9 und 36 Kilogramm

  • Kinderautositze zwischen 15 und 36 Kilogramm

Alle Kinderautositz-Kategorien haben ihre Vorteile. Wichtig ist vor allem, dass bei der Wahl des Kinderautositzes Alter, Größe und Gewicht des Kindes berücksichtigt werden.

Kinderautositz

Kinderautositz – Bild: © www.jh-photo.de – fotolia.com

Kurz nach der Geburt kommt meist eine Babyschale zum Einsatz. Eine ergonomische Sitzform sorgt dafür, dass Ihr kleiner Liebling sicher und bequem gebettet ist. Hochwertige Kinderautositze überzeugen mit unkomplizierter Handhabung sowie innovativen Sicherheitslösungen wie dem optimierten Seitenaufprallschutz.

Eine Alternative zu den Babyschalen sind die sogenannten Reboarder, in denen das Baby von vorneherein in einer aufrechten Position sitzt.

Der Reboarder wird – wie auch die Babyschale – umgekehrt angebracht. Dies erhöht den Schutz und die Sicherheit bei Frontalzusammenstößen. Wieder andere Kinderautositze bestechen durch hochmoderne Extras wie innovative Gurtsysteme mit Kontrollanzeige.

Kinderautositze mit mehreren, möglichen Sitz- und Liegepositionen passen sich den situativen Bedürfnissen des Kindes an.

Hinzu kommen waschbare Schonbezüge sowie eine ausgeklügelte Sitz- und Seitenpolsterung. Eine Besonderheit sind Isofix-Autositze, die besonders leicht zu bedienen sind.

Die starre, unnachgiebige Verbindung zwischen Auto und Kinderautositz dieses modernen Befestigungssystems vermindert das Aufprallrisiko.

Arten von Kinderautositzen

Die unterschiedlichen Modelle von Kinderautositzen lassen sich grob in drei verschiedene Gruppen beziehungsweise Arten von Kinderautositzen unterteilen. Normalerweise benötigt ein Kind drei unterschiedliche Kinderautositze, bis es auch ohne Hilfsmittel im Auto der Eltern mitfahren kann: einen Kinderautositz der Gruppe 0/0+, einen Kinderautositz der Gruppe I und einen Kinderautositz der Gruppe II beziehungsweise III.

kinderautositz

Kinderautositz – Bild: © Alban Egger – fotolia.com

Gruppe 0 beziehungsweise 0+ steht für Babyschalen mit Montage gegen die Fahrtrichtung. Sie eignen sich für Babys und Kleinkinder mit einen Körpergewicht bis 13 Kilogramm. Dieses System kann die Kräfte, die bei einem Crash beziehungsweise Zusammenstoß entstehen, ideal abfangen.

Der Wechsel zu Gruppe I sollte aus Sicherheitsgründen möglichst spät erfolgen. Zeit hierfür ist es dann, wenn der Hinterkopf Ihres Nachwuchses nicht mehr richtig in der festen Schale liegt.

Gruppe I eignet sich für Kinder mit einem Körpergewicht zwischen 9 und 18 Kilogramm. Die Kinderautositze dieser Klasse verfügen für gewöhnlich über Hosenträgergurte, die straff sitzen müssen, um optimal zu sichern.

Der Umstieg auf ein Modell aus Gruppe II beziehungsweise III erfolgt dann in einem Alter zwischen 4 und 5 Jahren. Diese Gruppe von Kinderautositzen eignet sich für Kinder mit einem Gewicht zwischen 15 und 25 Kilogramm beziehungsweise zwischen 22 und 36 Kilogramm. Es handelt sich um Sitzerhöhungen sowohl mit als auch ohne Schlafstütze.

Hier verläuft der Gurt durch eine Schulterspange, so dass er sicher sitzt. Sitzerhöhungen sollten idealerweise nur mit Schlafstütze beziehungsweise Rückenstütze verwendet werden. So ist der Schutz bei einem Seitencrash größer.

 

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Wo liegen die Vor- und Nachteile der Kindersitzsysteme

Die Kindersitzklassen entsprechen (wie bereits erwähnt) den Körpergewichtsklassen. Mit Kindersitzklasse 0+ sind Babys bis 13 Kilogramm Körpergewicht sehr sicher im Auto beziehungsweise Fahrzeug untergebracht. Gewichtsklasse I für Kinder von 9 bis 18 Kilogramm kommt in Form sogenannter Hosenträger- oder Fangkörpersysteme, bei denen das Kind vor dem Bauch mit ein Tischchen gesichert ist.

Bei einem Fangkörpersystem besteht der Vorteil darin, dass bei einem Frontunfall die Belastungen etwas geringer sind als bei Hosenträgersystemen. Andererseits bieten Hosenträgersysteme eine bessere Schlafposition. Außerdem schwitzen Kinder in Hosenträgersystemen nicht so stark. Es gibt auch Kindersitze mit Hosenträgergurte welche man rückwärtsgerichtet einbauen kann.

Der Einbau dieser Reboardsitze ist meist etwas aufwändiger, doch die Crashbelastungen bei Frontalkollisionen sind durch eine gleichmäßige Abstützung im Kinderautositz geringer. Wichtig ist, dass die Gurte des Hosenträgergurtsystems immer möglichst straff anliegen.

Autokindersitz

Kinderautositz – Bild: © GordonGrand – fotolia.com

In den Gewichtsklassen II und III gibt es Sitzerhöhungen mit Schlaf- beziehungsweise Rückenstützen. Hier werden die Kinder fast immer mit dem normalen Dreipunkt-Sicherheitsgurt gesichert. Der Gurt sollte immer mittig über die Schulter des Kindes verlaufen. Wenn sich ihr Kind bewegt muss der Schultergurt immer von der Gurt-Aufrollautomatik des Autos straffgezogen werden.

Dieses System macht aber erst Sinn für Kinder ab einem Alter von 4 Jahren. Erst dann ist die Schulter des Kindes stabil und widerstandsfähig ausgeprägt. Der Beckengurt sollte durch große Gurthaken geführt werden, so dass er beim Crash nicht in den Bauchbereich rutschen kann. Sonst drohen Verletzungen. Besonders sicher sind Sitzerhöhungen mit Rückenstützen wodurch bei einen Seitencrash die Sicherheit erhöht wird.

Darüber hinaus gibt es die sogenannten Isofix-Kinderautositze. Diese decken in der ersten Phase die bisherigen Gewichtsklassen bis 18 Kilogramm ab. Verwendet werden die Sitze, wenn ein Neufahrzeug die neue, vorgeschriebene Kennzeichnung “i-Size” aufweist – oder aber dann, wenn in einer Fahrzeugfreigabeliste am Kindersitz das jeweilige Modell aufgeführt ist.

Der Vorteil dieser Kinderautositze: der rückwärtsgerichtete Transport bis zu einem Alter von etwa 15 Monaten. Dadurch will man den Eltern verhindern, dass sie die Kinder zu früh in den nächstgrößeren Kindersitz setzen.

Es wird allerdings noch eine Weile beziehungsweise zeitlang dauern, bis die Rahmenbedingungen für die neuen Kindersitze erfüllt sind. Außerdem ersetzen die Systeme keine übliche Babyschale.

Kauf und Auswahl

Bei Kauf und Auswahl eines Kinderautositzes besonders wichtig ist, das wurde bereits erwähnt, dass der Kinderautositz zu Gewicht und Körpergröße des Kindes passt. Wenn möglich, sollten Auto und Kind idealerweise zum Kinderautositzkauf mitgenommen werden. Auf diese Art und Weise treffen Sie bei Kauf und Auswahl auf reale Bedingungen. Außerdem kann der Verkäufer im Fachhandel Ihnen die Montage des Kinderautositzes genau erklären.

Ebenfalls unverzichtbar: Der Kinderautositz Ihrer Wahl muss aktuellen Prüfstandards entsprechen. Zu erkennen ist das am Prüfsiegel: Jeder Kinderautositz verfügt über ein braunes Siegel mit einem großen E für Europa. Beginnt die Prüfnummer unter dem E mit 04, handelt es sich um die aktuelle ECE-R44/04 Prüfnorm. Kinderautositze mit der Prüfnummer 03 entsprechen dagegen der alten Norm. Diese dürfen zwar noch weiterverwendet werden, sollten sich jedoch nicht mehr im Sortiment des Handels befinden.

Darüber hinaus gilt es beim Kauf eines Kinderautositzes darauf zu achten, dass der Kinderautositz zum Auto passt. Es gibt Automodelle wie Smart oder Mercedes mit einem Angebot an typenspezifischen Kinderautositzen – vor allem beim Sicherungssystem Isofix. Denn hier passt nicht jedes Auto zu jedem Kinderautositz.

Kinderautositz

Teddy im Kinderautositz – Bild: © PhotographyByMK – fotolia.com

Tipps und Tricks zum Kauf

Grundsätzlich sollten Sie sich bei Kauf und Auswahl eines Kinderautositzes an aussagekräftigen Testurteilen orientieren. Billige Kinderautositze erfüllen zwar die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen, weisen bei höheren Anforderungen jedoch Mängel in Sicherheit und Bedienung auf. Möglicherweise sind günstige Auslaufmodelle von Markenherstellern die bessere Wahl.

Es ist sinnvoll eine Einbauprobe mit Kind und Kindersitz im jeweiligen Fahrzeug durchzuführen. Weil nicht jeder Kinderautositz auch gleich gut in jedes Fahrzeug passt. Denn Längen und Positionen der Gurte können abweichen. Auch die Steilheit der Rückbank kann Einfluss darauf haben, ob der Kindersitz gut passt und ob sich das Kind wohl fühlt und bequem sitzt.

Bei älteren Fahrzeugen können durch ungünstige Gurthöhen oder lange Gurtschlossbefestigungen Probleme mit der Standfestigkeit bestimmter Kinderautositze auftreten. Bei Sitzerhöhungen mit Rückenstütze kann es auch vorkommen, dass der Gurt bei Vorbeugen des Kindes sich nicht mehr selbstständig aufrollt. Der Autokindersitz muss möglichst fest und stramm eingebaut werden.

Gerade bei rückwärtsgerichteten Systemen wie Babyschalen sollte überprüft werden, ob die Gurtlänge im Auto ausreicht. Vorteilhaft ist eine Beratung im Fachgeschäft. Eine Checkliste für den Kauf eines Kinderautositzes kann dabei helfen, einen Kindersitz zu finden, der alle wichtigen Kriterien der Sicherheit und Bedienbarkeit erfüllt.

Stellen Sie sich folgende Fragen: Können Sie den Kinderautositz selbst einbauen und wieder ausbauen? Sitzt der Kindersitz stabil im Auto? Sitzt das Kind bequem im Kinderautositz? Können Sie das Kind gut anschnallen und wieder abschnallen? Wird der Gurt beim Vorbeugen des Kindes wieder sauber zurückgezogen? Ist Ihr Fahrzeug für den Kindersitz freigegeben?

Kinderautositz

Baby im Kinderautositz – Bild: © DevilGB – fotolia.com

Der Wechsel des Kinderautositzes

Der Wechsel des aktuellen Kinderautositzes zum nächstgrößeren Kinderautositz sollte möglichst spät erfolgen. Orientieren kann man sich an den Gewichtsangaben auf dem Prüfsiegel des Kindersitzes oder zukünftig nach der neuen Richtlinie ECE-R129 nach Größenangaben. Noch wichtiger ist, dass der Hinterkopf des Kindes noch gut durch die Sitzschale abgestützt wird. Dies gilt vor allem für Babyschalen.

Es gilt, sich zwischen einem Kinderautositz nach ECE-R 44/04 der Version 03 oder 04 und den neuen i-Size-System nach ECE-R 129 zu entscheiden. Diese Normen gelten parallel nebeneinander. Aber auf langer Sicht wird die neue Regelung die ECE-R44 ersetzen. Die ECE 44 teilt, wie bereits ausführlich erklärt, Kindersitze nach Gewichtsgruppen ein. I-Size-Systeme nach ECE R 129 gliedern sich nach Alter und Körpergröße.

Die Angaben finden sich auf dem jeweiligen Prüfetikett. Wichtig bei Kauf und Auswahl ist, dass der Kinderautositz ins jeweilige Fahrzeug passt. Hilfreich hierbei ist die Fahrzeugtypenliste, die dem Kindersitz Ihrer Wahl beigelegt ist. In Neufahrzeugen ab 2014 können Sitzplätze sogar bereits als “i-Size Ready” gekennzeichnet sein. Dies erleichtert die Ermittlung der Kompatibilität zwischen Fahrzeug und i-Size-Kindersitz.

Wesentliche Unterschiede zwischen der ECE-R44 und der neuen ECE-R129 Norm ( i-Size)

In der neuen i-Size Norm müssen die Kindersitze einen Seitenaufpralltest bestehen. Wie schon erwähnt werden die Kindersitze in der neuen Norm nicht mehr in fest definierten Gewichtsklassen eingeteilt, sondern nach der Größe des Kindes. Kinder müssen in der neuen Norm bis 15 Monate gegen die Fahrtrichtung transportiert werden.

 Autokindersitz

Airbag Warnschild – Bild: © vektorisiert – fotolia.com

Aspekte der Sicherheit

Bei der Wahl eines Kinderautositzes sollten keine Kompromisse in Sachen Sicherheit eingegangen werden. Kinder bis zu einer Körpergröße von 150 Zentimetern müssen in geeigneten, sicherheitsgeprüften Kinderautositzen gesichert werden. Damit der Dreipunkt-Sicherheitsgurt auch bei größeren Kindern wie bei Erwachsenen am Körper verläuft. So schreibt es der Gesetzgeber vor.

Ein rückwärtsgerichtetes System darf auf keinen Fall auf den Beifahrerplatz mit aktiven Airbag. In der neuen i-Size-Norm ist es Vorschrift Kinder bis 15 Monate entgegen der Fahrtrichtung zu transportieren. Sitzerhöhungen sollten ausgeprägte, qualitativ hochwertige Gurthaken aufweisen, weil ein hochrutschender Beckengurt sonst schwere Bauchverletzungen verursachen kann.

Sitzerhöher mit Rückenstützen sind am sichersten, weil sie eine bessere Kopfabstützung und Schultergurtführung gewährleisten. Die Bedienungsanleitung des Kinderautositzes beschreibt, ob der Sitz nur mit oder auch ohne Rückenstütze verwendet werden darf.

Hat das Kind eine Körpergröße von 150 Zentimetern überschritten, braucht es keinen speziellen Kindersitz mehr – auch unter einem Alter von 12 Jahren.

Die alten Kindersitze mit den Prüfnummern 01 oder 02 erfüllen nicht mehr die heutigen Sicherheitsanforderungen. Sie dürfen daher nicht mehr verwendet werden.

Übrigens: Der sicherste Platz für Kinder im Auto befindet sich grundsätzlich auf den Rücksitzen. Ausgewählt werden sollten insbesondere der Platz hinten rechts oder der Platz hinten in der Mitte.